Jugendliche fordern mehr Teilhabe – Politik und Vereine reagieren

Jugendliche fordern mehr Teilhabe – Politik und Vereine reagieren: Erste Veranstaltung bereits ab 16 Jahren geöffnet

Schandelah, 11. April 2026 – Ein deutliches Signal für mehr Mitbestimmung und Sichtbarkeit junger Menschen: Jugendliche u.a. aus Schandelah, Destedt und Abbenrode suchten am Samstagabend das direkte Gespräch mit Ortsbürgermeister Daniel Bauschke, der im vergangenen Jahr eine erste Veranstaltung für alle ab 14 Jahren in Schandelah organisierte. Ihr Anliegen: mehr Teilhabe an Veranstaltungen, die in Schandelah und der Umgebung bislang häufig erst ab 18 Jahren zugänglich sind.

Die Jugendlichen wünschen sich mehr Möglichkeiten, gemeinsam generationsübergreifend  zu feiern, zu tanzen und am gesellschaftlichen Leben im Ort teilzunehmen. „Wir verstehen, dass niemand Ärger bekommen möchte. Aber wir wollen einfach dazugehören“, fasste eine Jugendliche die Stimmung zusammen. Es gehe ihnen nicht um Alkohol, sondern um Gemeinschaft, Begegnung und das Gefühl, Teil des Dorflebens zu sein. Nicht einmal ein Jungendraum ist in Schandelah vorhanden!

Verständnis – und klare Worte zu den Herausforderungen

Ortsbürgermeister Daniel Bauschke zeigte sich beeindruckt vom Engagement der jungen Menschen:
„Die Jugendlichen haben völlig recht: Unser Dorf lebt davon, dass alle Generationen mitmachen können. Wenn junge Menschen aktiv auf uns zukommen, ist das ein starkes Zeichen.“

Gleichzeitig machte er deutlich, warum viele Veranstalter zögern: Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind komplex, die Verantwortung groß, und viele Ehrenamtliche fühlen sich allein gelassen.

Warum viele Veranstalter zurückhaltend sind

Veranstaltungen mit Minderjährigen bringen zusätzliche Pflichten mit sich – vom Jugendschutzgesetz bis hin zu organisatorischen und haftungsrechtlichen Fragen. Dazu gehören:

  • Jugendschutzgesetz (JuSchG):
    • Keine Abgabe hochprozentiger Getränke an unter 18-Jährige
    • Bier, Wein und Sekt erst ab 16 Jahren
    • Teilnahme unter 16 Jahren nur mit erziehungsbeauftragter Person
    • 16- und 17-Jährige dürfen bis 24 Uhr bleiben – danach nur mit „Muttizettel“
  • Verantwortung der Veranstalter:
    • Ausweiskontrollen
    • Sicherstellung, dass keine verbotenen Getränke ausgegeben werden
    • Dokumentation von Aufsichtspersonen
    • Haftungsrisiken bei Verstößen

Viele Vereine scheuen diesen Aufwand – oft aus Sorge, im Ernstfall allein verantwortlich gemacht zu werden.

Konkrete Lösungen liegen auf dem Tisch

Im Gespräch wurden mehrere praktikable Modelle diskutiert, wie Jugendliche künftig sicher und verantwortungsvoll einbezogen werden können:

  1. Klare Einlasskontrollen
    Altersbändchen, Ausweiskontrollen, Registrierung von Aufsichtspersonen
  2. Alkoholkonzept
    Ausschank von Bier/Wein nur an über 16-Jährige, keine Spirituosen, Schulung der Helfer
  3. „Jugendfenster“ bei Veranstaltungen
    Teilnahme bis 22 oder 24 Uhr, danach freiwilliger Übergang in den Erwachsenenbereich
  4. Feste Jugendbereiche
    alkoholfreie Bar, eigener Aufenthaltsbereich, Betreuung durch geschulte Ehrenamtliche
  5. Kooperation mit Vereinen und Feuerwehr
    gemeinsame Verantwortung statt Einzelhaftung
  6. Jungendtreff:  Gemeinsame Verantwortung für einen Jungenraum mit ehrenamtlicher Koordination

 

Die Jugendlichen signalisierten zudem Bereitschaft, selbst Verantwortung zu übernehmen – etwa bei Organisation, Technik oder Aufsicht. „Wir wollen nicht nur fordern, wir wollen auch mitmachen“, betonte ein Teilnehmer.

Erste positive Entscheidung: Tanz in den Mai ab 16 Jahren

Noch am selben Abend konnte Ortsbürgermeister Bauschke eine erfreuliche Nachricht überbringen:
Der Verein Heart of Dance öffnet den Tanz in den Mai in der Turnhalle Schandelah für Jugendliche ab 16 Jahren.

Bauschke lobte diese Entscheidung ausdrücklich:
„Richtig so – eine gute Entscheidung des Vorstandes für mehr Teilhabe.“

Politik arbeitet bereits an weiteren Verbesserungen

Neben den Gesprächen auf Ortsebene laufen auch politische Initiativen an, die Jugendlichen künftig mehr Teilhabe ermöglichen sollen.

Ausblick

Bauschke kündigte an, die Ergebnisse des Gesprächs in die nächste Ortsratssitzung, den zuständigen Fachbereich der Gemeindeverwaltung und in die Vereinigte Vereine Schandelah mitzunehmen.
„Wenn wir wollen, dass Jugendliche sich mit ihrem Ort identifizieren, müssen wir ihnen auch Möglichkeiten geben, hier etwas zu erleben“, so der Ortsbürgermeister. „Der Besuch heute war ein wichtiges Signal – und ein guter Anfang

Bildunterschrift von links: Protokollführerin Beate Bauschke, Joris, Emily, Kim, Merle, Finja, Johanna, Lore, Hannah, Ortsbürgermeister Daniel Bauschke, Leni, Charlotte, Jonna, Viktoria, Lilliana, Jella.

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